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Vom
Kirchturm der idyllischen Stadt Orthez in Südfrankreich eröffnet sich ein
herrlicher Ausblick auf die Gebirgskette der Pyrenäen. Doch der Weitblick seiner
Bürger und ihrer Stadtväter scheint sehr begrenzt zu sein. Alljährlich im Monat
August beflecken sie die Idylle ihrer Stadt mit dem Blut von Stieren, die in
ihrer Arena gefoltert und getötet werden, anstatt ihren Besuchern die Schönheit
ihres Ortes friedfertiger zu präsentieren. Doch in Orthez ist man anderer
Meinung: Das grausame Ereignis wird als kultureller Höhepunkt des Jahres
gefeiert und soll Tausende von blutdürstigen Zuschauern anlocken.
In diesem Jahr sollte dieses
Ereignis der Unkultur mit einem Plakatwettbewerb einen „kulturellen" Anstrich
bekommen, um das beste Plakat für die diesjährige Corrida auszuwählen. Nicht
gerade unbescheiden wurde der Wettbewerb im weltweiten Web offen ausgeschrieben.
Der Erfolg war überwältigend: 59 Beträge wurden eingereicht, die auf der
Webseite der Stadt Orthez veröffentlicht und allen Internauten ohne
Beschränkungen zur Abstimmung unterbreitet wurden.
Nicht nur die „aficionados", wie
die unverbesserlichen Stierkampf-Fans sich nennen, auch sondern auch diejenigen,
die
von
der Barbarei nichts halten, wurden auf den Wettbewerb aufmerksam und sahen
sich die Elaborate an. Und zwar sehr genau! Mit der Lupe betrachtet erregte die
Nummer 57 gerade bei den letzteren große Aufmerksamkeit, während die Fans und
auch die Veranstalter sich wohl nicht so sehr das Detail zu Gemüte führten.
Schauen Sie sich das Plakat einmal genau
an: Der handschriftliche französische Text des Hintergrunds ist alles andere als
Stierkampf freundlich: Parolen wie „Kunst der Grausamkeit", „Sadistisches
Vergnügen", „Gemetzel", „Missachtung des Lebens" sind dort zu lesen.
Die Veröffentlichung dieses
Plakates führte zu einer internationalen Mobilisierung von Tierfreunden, die
massiv mit ihren E-Mails für diese Plakat gestimmt haben. Vielen Dank allen
FreundInnen, die unserem Aufruf gefolgt sind! Doch leider hat unser Favorit, die
Nummer 57, nicht gewonnen, Nr. 58 machte das Rennen. Mit seiner Entscheidung
zielte der Stadtrat von Orthez knapp daneben. Ausschlaggebend für das Urteil der
Jury waren sicherlich nur kulturelle Gesichtspunkte.
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