Ein Viertel des EU-Parlaments für Stierkampfverbot

Schriftliche Erklärung 0002/2007 - Keineswegs ein Misserfolg!

Ein Viertel der Abgeordneten des Parlaments der Europäischen Union erklärte, dass es in einem kultivierten Europa keinen Platz für den Stierkampf gibt. 211 der 785 EU-Abgeordneten unterstützten die schriftliche Erklärung zur Abschaffung des blutigen Spektakels, das in drei Ländern der EU veranstaltet wird. Trotz dieses massiven Votums gegen die Barbarei wurde die Erklärung leider nicht vom EU-Parlament angenommen, da die erforderliche absolute Mehrheit des Parlaments bis zum Auslaufen der Erklärung am 15.April 2007 bedauerlicherweise nicht erreicht wurde.

Die Schriftliche Erklärung 0002/2007

Die Erklärung wurde von den Abgeordneten Robert Evans (GB), Mojca Drcar Murko (Slowenien), Gitte Seeberg (Dänemark), Carl Schlyter (Schweden)  am 15. Januar 2007 dem Parlament vorgelegt. Ihr Ziel war,

  • dass alle Tiere, nicht nur landwirtschaftliche Nutztiere und Versuchstiere, in die Tierschutzmaßnahmen der EU einbezogen werden,
  •  dass Landwirtschaftsbeihilfen der EU nicht an Viehzüchter vergeben werden, die Stiere zur Verwendung in Stierkämpfen züchten und
  • dass Stierkämpfe in das umfassendere Konzept der EU für das Wohlergehen der Tiere einbezogen werden und damit ein EU-weites Verbot von Stierkämpfen erwirkt wird.

Europa für den Stierschutz  

Erstmalig wurden die EU-Abgeordneten damit aufgefordert, zu dem blutigen Schauspiel in den Stierkampfarenen der iberischen Halbinsel und Frankreichs Stellung zu nehmen. Zahlreiche Tierfreunde aus ganz Europa ermutigten die Parlamentarier, die grausamen Praktiken in diesen Ländern anzuprangern und deutlich zu machen, dass in einem zivilisierten Europa das grausame Gemetzel an Stieren nicht geduldet wird. Mit unzähligen Emails, Briefen, persönlichen Gesprächen wurde leidenschaftlich um jede Stimme gekämpft. Vertreter von Tierschutz- und Antistierkampforganisationen sprachen die Abgeordneten vor dem Parlament in Brüssel einzeln an und überreichten ihnen ein Video, das eindrucksvoll die Qualen der Stiere in den Stierkampfarenen darstellt.

Stierquäler in der Defensive

Die Kampfansage der Schriftlichen Erklärung beunruhigte die Stierquäler in den betroffenen Stierkampfländern und ließ sie um ihre üppigen Pfründe fürchten. Borniert verteidigten sie ihre perverse Leidenschaft als kulturelle Eigenheit ihres Landes und verbaten sich jegliche Einmischung durch Leute, denen das Verständnis für ihre Unkultur abgeht. Sie verschanzten sich hinter dem im Amsterdamer Vertrag vereinbarten Subsidiaritätsprinzip, das die Einmischung anderer EU-Länder in die kulturellen Angelegenheiten eines Mitgliedslandes der EU nicht erlaubt.

Kulturelles Alibi der Stierquäler

Während die meisten Abgeordneten aus den Stierkampfländern dem Druck der Stierquäler und ihrer politischen Hintermänner und -frauen nicht Stand hielten, überzeugten die absurden Argumente für das abscheuliche Freizeitvergnügen mit kulturellen Deckmantel die Abgeordneten anderer Länder nicht. 30% der Abgeordneten aus den Nichtstierkampfländern der EU manifestierten mit ihrer Unterstützung der Erklärung, dass es für den Tierschutz keine Grenzen und keine kulturellen Alibis geben darf. Die Volksvertreter aus Dänemark,  Schweden ,Österreich, Slowenien, Großbritannien, Zypern und die gesamte Fraktion der Grünen des EU-Parlaments (79%) setzten sich sogar mit 50% und mehr für den Schutz der gequälten Stiere ein. Gäbe es eine Volksbefragung in den Stierkampfländern zur Abschaffung des blutigen Spektakels, wäre der Stierkampf in Europa kein Thema mehr, da eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung die Quälerei in den Arenen entschieden ablehnt. Die Stierkampfanhänger können sich leider der Unterstützung durch das politischen Establishment ihrer Länder, dass diese Frage gar nicht erst aufkommen lässt, sicher sein.  

Der Kampf geht weiter

Mit der Schriftlichen Erklärung wurde ein wichtiges Etappenziel erreicht. Sie wird nun im Aktenkeller des EU-Parlaments verstauben. Jedoch die TierfreundInnen ganz Europas und die EU-Abgeordneten werden nicht ruhen und eine Neuauflage der Erklärung zu einem gegebenen Zeitpunkt anstreben. Durch eine geschickte Formulierung einer neuen Erklärung könnten auch Abgeordnete, die den Stierkampf ablehnen, die aber wegen prinzipieller juristischer  Bedenken dem Subsidiaritätsprinzip den Vorrang gaben, überzeugt werden, für die Einbeziehung der Stiere in die "Tierschutzmassnahmen der EU" zu stimmen. So hätte auch eine stärkere Fokussierung auf die Verweigerung von Subventionszahlungen an die Kampfstierzüchter mehr Unterstützung gebracht. Ein besseres Timing könnte zudem verhindern, dass die Abgeordneten in den letzten Tagen vor dem Ende der Erklärung in die Ferien entschwinden  und dadurch unsere Aktionen ins Leere stießen. Auch eine rechtzeitige Einschaltung der Tierschützer und eine bessere Koordinierung wird für den Erfolg einer neuen Erklärung sorgen.

Dank und Ermutigung

Allen, die sich unermüdlich für die Unterzeichnung der Erklärung, Verbreitung der Aktion und Übersetzung von Texten eingesetzt haben, möchten wir hier herzlich danken. Danken sollten wir auch den Abgeordneten, die unseren Appellen gefolgt sind. Dass wir ein Viertel aller europäischen Volksvertreter überzeugen konnten, ist ein Erfolg, der uns ermutigen sollte, beim nächsten Mal noch mehr Parlamentarier gegen den Stierkampf zu mobilisieren. Was uns persönlich angeht, bitten wir, von Beileidsbezeugungen für einen vermeintlichen Misserfolg abzusehen, denn Mitleid haben nur die gequälten Stiere verdient, für die wir alle weiter kämpfen müssen.

Anke und Karl Daerner               

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