Skandal!

Baden-Württemberg begeistert Schüler für Stierkampf

Möchten Sie als Eltern, dass Ihre Sprösslinge in der Schule mit Unterrichtsmaterial, das den Stierkampf verharmlost oder gar verherrlicht, für dieses grausame Spektakel begeistert werden und damit das Mitgefühl für leidende Lebewesen verlieren? Das Landesinstitut für Schulentwicklung des Landes Baden-Württemberg stellt solches Material auf seiner Webseite Schulen für den Spanischunterricht zur Verfügung. In fünf Beiträgen dieses Landesbildungsservers - wie sich diese Behörde nennt und besser Landesbildungsverderber genannt werden sollte - wird in dem dubiosen Bildungsangebot nicht ein einziges Mal der Stierkampf kritisch unter Tierschutzaspekten beleuchtet. Schlimmer noch, das entsetzliche Leid der Stiere wird durch diese einseitige Darstellung einer täuschenden farbenprächtigen Inszenierung maskiert.  Überzeugen Sie sich bitte selbst! 

Im ersten Beitrag Entrevista con Juan Carlos Cabello, novillero  wird von Schülern während einer Klassenreise ein Jungtorero der Stierkampfschule von Malaga interviewt. Die Schüler stellen lauter Gefälligkeitsfragen und versuchen nicht einmal, das mörderische Handwerk dieses Burschen zu hinterfragen. Lediglich stellen sie ihm eine naive Frage zu seiner Meinung über die Stierkampfgegner. Sie können sich vorstellen, welche "hohe" Meinung er von seinen Gegnern hat.
Äußerst skandalös ist es, dass Schulklassen für eine Studienreise nach Malaga ein "mit Erfolg erprobter Programmvorschlag" unterbreitet w
urde, der den Besuch einer Stierkampfschule und ein Gespräch mit einem Torerolehrling vorsah.
Warum
vermittelte der Landesbildungsserver den Schülern nicht ein Gespräch mit jungen spanischen Tierschützern? 

Der zweite Beitrag
¿Cómo se desarrolla la Corrida de Toros? stellt den Ablauf eines Stierkampfs dar. Ein aficionado könnte nicht besser die Grausamkeit dieses Spektakels verschleiern. Beiläufig wird nur der erste Teil des Martyriums des Stieres, dem "tercio de varas", erwähnt, bei dem der picador dem Tod geweihten Tier eine neun Zentimeter lange Stahlspitze in den Nacken stößt, um es gefügig zu machen. Auch beim Setzen der Banderillas, dem "tercio de banderillas", wird keineswegs erwähnt, um welche Folterinstrumente es sich handelt. Eine Beschreibung des Zustands des gequälten Stieres, bevor ihm schließlich der Stiertöter den Todesstoß versetzt, mag der Autor des Artikels dem Leser nicht zumuten. Quasi als Entlastung wird noch auf die Begnadigung von Stieren hingewiesen, ohne jedoch zu erwähnen, dass diese äußerst selten praktiziert wird. Wie kann es auch anders sein, der Artikel wird mit Weblinks auf zwei spanische Corrida-Seiten abgeschlossen. Dem Verfasser weiß vielleicht nicht, dass es auch Webseiten spanischer Stierkampfgegner gibt, die alle gebündelt bei Tortura.es zu finden sind.

Im dritten Kapitel Fotos de la Corrida werden Bilder von Stierkämpfen gezeigt, die nichts von der Grausamkeit des Schauspiels erkennen lassen. Vom Anblick der blutenden Verletzungen der Stiere werden die Schüler verschont. Nahaufnahmen von gequälten Stieren werden nicht gezeigt; sie könnten doch unerwünschte Wirkung erzeugen. Den Schülern wird damit ein unrealistischer Eindruck von der Corrida vermittelt.  Wie die Wirklichkeit aussieht, zeigen die Fotos des französischen Fotografens Jérôme Lescure

Dem spanischen Torero Anrés Luque Gago wird im vierten Artikel El Torero habla bereitwillig die Gelegenheit gegeben, sein grausames Handwerk zu rechtfertigen. Er war von 1947 bis 1986 Stiertöter und hat "niemals gesehen, das dem Stier Barbareien zugefügt wurden". Seiner Meinung nach verhindert das strenge Reglement und die Anwesenheit von Tierärzten, dem Präsidenten der Corrida und ein Vertreter der Stierzüchter jegliche Unregelmäßigkeit. Darüber hinaus werden die getöteten Stiere post mortem untersucht, um festzustellen, ob sie regelwidrig umgebracht wurden. Den Stierkampfgegnern erwidert er, dass "der mutige Stier ein Tier ist, das aussterben würde, wenn es keine Stierkämpfe gäbe". "Die Stierfeste sind das einzige Spektakel im 21. Jahrhundert, bei dem sich die Wahrheit offenbart." Diesen arroganten Worten, die vom Bildungsserver mit keinem Wort kommentiert werden, haben wir nichts hinzuzufügen.

Schließlich werden im
fünften Beitrag
Las partes del cuerpo del toro die Schüler nach der Anatomie des Stieres befragt. Diejenigen, die diesen Test entwickelten, verpassten eine gute Gelegenheit zu demonstrieren, an welchen Körperteilen dem Stier die größten Qualen durch seine Folterer zugefügt werden.

Wie weit die Stierkampfmafia schon das übrige Europa verpestet hat, zeigt ein weiterer Beitrag, der einen Stierkampf-Fanclub in Holland die Gelegenheit gab, sich vorzustellen. Aufgrund heftiger Proteste unserer holländischen Freunde vom Comité Anti Stierenvechten wurde er vom Bildungsserver gelöscht. Das baden-württembergische Landesinstitut für Schulentwicklung präsentierte darin den Schülern ihres Landes eine Rede des Präsidenten des holländischen Stierkampffanclubs "La Peña Taurina de Holanda" anlässlich  eines Stierkampfkongresses in Malaga. In seiner Rede beglückt dieser seine spanischen Folterbrüder mit einer ausführlichen Rechtfertigung der iberischen Tierquälerei und meint, dass die Argumente der Stierkampfgegner "weit von der Realität entfernt sind". Was unsere holländischen Freunde zum Stierkampf  zu sagen haben, können Sie auf ihrer deutschsprachigen Webseite nachlesen. Das Comité Anti Stierenvechten ist eine der mitgliederstärksten Antistierkampforganisationen in Europa, was dem Redakteur des Bildungsservers aus dem Musterländle entgangen ist und und dessen Erwähnung ihm nicht wert war.
 
Lassen Sie nicht zu, dass schon in der Schule Propaganda unter dem Deckmantel von Kultur und Tradition für eine der schlimmsten Tierquälereien, die unter dem Schutz der Gesetzgebung einiger rückständiger Länder in der Europäischen Union und unter dem Beifall einer abgestumpften Menschenhorde stattfinden, in staatlichen Institutionen geworben wird, die mit unseren Steuergeldern finanziert werden. Wir werden weiter forschen, ob noch andere Adepten der iberischen Unkultur ihre Position in staatlichen Ämtern missbrauchen, um unsere Jugend mit einseitigen Informationen über den Stierkampf zu manipulieren.       

Wir fordern alle TierfreundInnen auf, massiv zu protestieren!

Beim Landesinstitut für Schulentwicklung:

Bei den politisch Verantwortlichen in der Regierung: 

Mobilsieren Sie bitte auch die Landtagsfraktionen und Ihren Abgeordneten:

Wir danken Ihnen im Voraus für die Unterstützung dieser Aktion!

 

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17.01.2008