Kulturkampf in Frankreich:

Stierquäler versuchen den Süden zu erobern

In Frankreich ist für die Stierkampfbesessenen das Gebiet  zwischen den Stierkampfstädten Arles, Nîmes und Béziers im Südosten einerseits und den südwestlichen Regionen Aquitanien und Gascogne andererseits ein heiß begehrter Landstrich. Wenn sie diese Lücke schließen und sich dort mit Stierkämpfen etablieren könnten, hätten sie ganz  Südfrankreich erobert und unangefochten von der Justiz die Möglichkeit, überall Stierkämpfe zu veranstalten.

Besonders umstritten ist die Gegend um Toulouse, wo in den letzten Jahren in den Randstädten Rieumes und Fenouillet Stierkämpfe eingeführt wurden. Der französische Gesetzgeber duldet Stierkämpfe an Orten, wo eine "ununterbrochene" Stierkampftradition besteht. Wenn sich einige Fanclubs in Toulouse in ihren Stammkneipen beim Anisschnaps im Suff zusätzlich an dem Blutbad in den Arenen berauschen, ist für einige Gerichte diese Forderung bereits erfüllt.

 

Corrida in Rieumes

Die Alliance Anticorrida , die gerichtlich versuchte, die Corrida in Rieumes wegen der Nichterfüllung der gesetzlichen Anforderungen zu verbieten, hatte damit leider keinen Erfolg. Die Alliance wurde, weil das Gericht einen gewissen geografischen Zusammenhang mit den Stierkämpfen in der benachbarten Gascogne sah, mit ihrer Klage abgewiesen.

In Fenouillet dagegen versetzte der Gemeinderat der Corrida, die ebenfalls jahrelang vergeblich vor Gericht bekämpft wurde, den Todesstoss. Nach den kürzlich stattgefundenen Gemeinderatswahlen entzogen die neu gewählten Stadtverordneten kurz und bündig den Corridabetreibern die Unterstützung. Zumindest für sechs Jahre, eine Wahlperiode, ist jetzt Ruhe in dem Ort und vielleicht auch danach, wenn sich der neue Gemeinderat hält.

Grosse Hoffnungen wurden auch in Carcassonne, einer weiteren Schlüsselposition zwischen dem französischen  Südosten und Südwesten, gesetzt. Die Wahl des neuen Stadtrats ging zwischen der Pro- und Antistierkampfpartei sehr kapp aus. Leider unterlag die Liste, die versprochen hatte, den Stierkampf nicht mehr finanziell zu unterstützen und keine feste Stierkampfarena zu bauen, mit nur 56 Stimmen Unterschied. Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht noch, da der unterlegene Kandidat die Wahl wegen einiger Ungereimtheiten gerichtlich angefochten hat.

Wegen der windigen Bestimmungen des französischen Tierschutzgesetzes, das Stierkämpfe nur dort ausnahmsweise erlaubt, wo eine ununterbrochene lokale Tradition besteht, kommt es sehr auf die Gemeinderäte an, ob in ihren Mauern Stierkämpfe stattfinden können. Ohne Subventionen, materielle und personelle Hilfen wäre der Corrida-Sumpf in der französischen Provinz schon lange ausgetrocknet.

 

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15.04.2008