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CORRIDA UND FASCHISMUS

Die zweifelhafte Tradition des Stierkampfs

Zugegeben, der Stierkampf hat eine tief verankerte Tradition. Es fragt sich nur, welche? Zweifellos geht die Tradition auf das 18. Jahrhundert oder schon früher zurück und seine Regeln wurden im Laufe der Zeit verfeinert. Die Kodifizierung der Corrida gab dem ursprünglich ländlichen Volksvergnügen Glanz und Gloria und der Torero wurde für den einfachen Mann das Symbol des sozialen Aufstiegs, von dem er träumen konnte. Die spanische Krone unterstützte nach einigem Hin und Her diese Entwicklung, denn die Corrida war für die Monarchie ein ideales Vehikel, das arme Volk von dem Elend abzulenken, das es durch die feudalistische Ausbeutung zu erleiden hatte.

Im spanischen Bürgerkrieg schlugen sich sowohl die Stierzüchter als auch die Toreros mehrheitlich auf die Seite Francos, was die legale republikanische Regierung 1937 Corrida Madridveranlasste, die Corrida  mit einem Dekret zu verbieten. In den Wirren des Bürgerkriegs konnte jedoch das Verbot nicht überall durchgesetzt werden. Viele Toreros flüchteten daraufhin aus der republikanischen Zone nach Frankreich, um dort ihr Unwesen weiter zu betreiben. Im faschistischen Teil Spaniens dagegen  fühlten sie sich besser aufgehoben. Berühmte Toreros wie Lalande und Manolete sonnten sich in der Gunst Francos  und stiegen für dessen Partei in die Arena. Die Corrida-Betreiber führten für die faschistischen Rebellen zahlreiche Wohltätigkeitsstierkämpfe durch, deren Einnahmen militärischen Zwecken zuflossen. So wurde der Kreuzer España mit dem Geld, an dem Blut von gemeuchelten Stieren klebte, wieder flott gemacht.

Im von den Frankisten eroberten traditionell republikanischen Katalonien sorgte die faschistische Geheimpolizei dafür, dass das verhasste Ritual des Stiermords während des Franco-Regimes ungestört stattfinden konnte. Es ist kein Zufall, dass heute in Katalonien die Ablehnung der kastilischen Barbarei besonders groß ist, da ihr immer noch der faschistische Geruch anhaftet. Als Folge haben sich 46 Städte - darunter die katalonische Hauptstadt Barcelona - gegen die Corrida als Symbol des Faschismus, der der Region jegliche Eigenständigkeit nahm, erklärt. In Barcelona wurden zwei von drei Stierkampfarenen mangels Interesse zu Einkaufszentren umgewandelt und die dritte wird wohl auch bald die Tore schließen.

Immer noch gibt es heute in Spanien ein paar Unverbesserliche, die der nationalen Tierquälerei aus der Franco-Zeit anhängen. Dazu gehört auch der spanische König Juan_Carlos , der von Franco eingesetzt und während der faschistischen Diktatur sorgfältig auf seine künftige Aufgabe vorbereitet wurde. Neben seiner Vorliebe für das Massaker in den Arenen hat er eine besondere Leidenschaft für die Jagd. Sein Jagdausflug nach Russland, wo man ihm einen betrunkenen Bären vor die Flinte setzte, ist noch in guter Erinnerung. Häufig wird der spanische König als Zuschauer in Arenen gesehen, wo er in Fortsetzung der faschistischen Tradition ohne die für Staatsoberhäupter gebotene Zurückhaltung die Nähe von berühmten Stiertötern genießt und sie als Nationalhelden mit Goldmedaillen auszeichnet .

Auf der anderen Seite der Pyrenäen in Frankreich wurde während der deutschen Besetzung die republikflüchtigen Toreros mit offenen Armen aufgenommen. Ohne Scham kollaborierten die französischenCorrida in Bayonne aficionados mit den Nazibesetzern und zelebrierten ihre fiesta de toros unter dem Hakenkreuz. Besser als alle Worte zeigt ein Foto von der mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Arena in Bayonne, wie die französischen aficionados sich den Nazis anbiederten. Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie bemerken, dass es schon damals viele deutsche aficionados gab.

Der Statthalter des Dritten Reiches Marschall Pétain - als ehemaliger Botschafter in Spanien von der Corrida infiziert - ließ es zu, dass 1942 im Pariser  Vélodrome d'Hiver Stierkämpfe veranstaltet wurden. Allerdings wurde den Stieren bei diesen Kämpfen der Tod erspart, weil man den Zorn der hungernden Bevölkerung wegen der Verschwendung von knappem Rindfleisch befürchtete. Übrigens hat dieses Stadion eine andere traurige Vergangenheit, für die auch die französischen Kollaborateure verantwortlich zeichneten: Im selben Jahr fand dort die Massenfestnahme und darauffolgende Deportation von mehreren tausend Juden unter dem Namen Rafle du Vel'd'Hiv statt.

Noch heute manifestiert sich die nationalistische Herrschaftsideologie im Stierkampfmilieu in Ausdrücken, die dort gang und gäbe sind, wie „Schönheit des Kampfes“, „Erhaltung der Rasse“ und so fort. Im französischen Radio faselte ein bekannter Stierkampf-Reporter berauscht von einer „Vereinigung von Erde und Volk“. Haben wir so etwas nicht schon einmal gehört? Ein Volk, ein Reich.......Die Mystifizierung der Tötung, eine fanatische Heldenverehrung, die unbeschränkte Macht des Corrida-Präsidenten, die Verachtung von Versagern, die Undurchsichtigkeit der Organisationen und die Monopolisierung der Medien, alles dieses sind Relikte aus autoritären Zeiten, von denen sich die Stierkämpfer nicht trennen können, ohne dass ihr brutales System zusammenbricht.

Eine Tradition, die auf solch tönernen Füssen steht, wird sich eines Tages selbst erledigen. Im zunehmenden Maße wendet sich die Jugend diesem archaischen Spektakel ab, und die Mehrheit der Bevölkerung lehnt schweigend den Stiermord in den Arenen ab. Nur durch die Unterstützung von Medien und Politikern hält sich der Stierkampf noch am Leben, wodurch seine Abschaffung nur hinaus gezögert wird. Bevor jedoch noch mehr Stiere ihrem grausamen Schicksal erliegen, muss alles dran gesetzt werden, um das Morden in den Stierkampfarenen so schnell wie möglich zu beenden und die Relikte einer zweifelhaften Tradition auszulöschen. Dazu können Sie erheblich beitragen!

Quellen (französische Texte):


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08.06.2008