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Mehr als ein Jahrhundert der Gewalt, Folter und Barbarei sind an der
französischen Riviera zu Ende gegangen. Mit einer 105 Jahre alten Geschichte galt
die südfranzösische Stadt Fréjus als eine der ältesten Stierkampfstädte
Frankreichs. Dieser beschämenden Tradition hat der Bürgermeister von Fréjus Elie Brun mit einer weisen Entscheidung nun
den Todesstoss versetzt. 
Der ständige Druck, der von vielen Tierschützern ausgeübt wurde, hat sich
damit ausgezahlt. Besonders hat zu dieser Entscheidung die mutige Arbeit der
ehemaligen Stadträtin MoniqueProt beigetragen, die den Bürgermeister
ständig in die Zange genommen hat. Selbst als sie keine Stadträtin mehr war, ließ
sie nicht locker und nervte den Bürgermeister weiterhin als Redakteurin einer
lokalen Zeitung, in der diese erfreuliche Nachricht nachzulesen ist.
Dabei sah die Entwicklung in Fréjus nicht sehr günstig aus. Noch im letzten
Jahr hat das Verwaltungsgericht von Nizza die Klage von vier
Tierschutzorganisationen abgewiesen. Wieder einmal folgten die Richter den
Argumenten der Stierkampfveranstalter, dass es in Fréjus eine ununterbrochene
Tradition der Corrida gibt, eine Bedingung, die nach dem französischen
Tierschutzgesetz Stierkämpfe als Ausnahme erlaubt.
Ab 2007 blieb die Stadt am Mittelmeer verschont von dem widerlichen
Spektakel, da die alte römische Arena wegen archäologischer Grabungen und
notwendiger Restaurierungsarbeiten, die noch bis 2011 andauern, geschlossen
blieb. Vielleicht brauchte der Bürgermeister diese Zeit, um darüber
nachzudenken, wie er den Frieden in seiner Stadt wieder herstellen könnte. Dabei könnte auch die Abgeordnete Muriel
Marland-Militello eine Rolle gespielt haben, die gegenwärtig in der französischen
Nationalversammlung in mühsamer Arbeit ihre Kollegen zu überzeugen versucht,
die brutalen Machenschaften der Stierquäler in ganz Frankreich zu verbieten.
Der Stierkampf war ein heiß umkämpftes Thema in Fréjus, das alle
Gesellschaftsschichten der Stadt spaltete und für Unfrieden in der Bevölkerung sorgte.
Die Anzahl der Stierkampfgegner wuchs unterdessen. Schon in 2001 ergab eine
Umfrage, dass 62% der Bürger gegen die Corrida und sogar 72% gegen die
Subventionierung aus dem Stadtsäckel waren. Tierschützer aus ganz Europa
unterstützten am 16. Juli 2005 in einer gewaltigen Demonstration, an der wir
auch teilnahmen, den Willen der Bevölkerung, sich von der Barbarei zu befreien
und versicherten ihnen den Rückhalt über die französischen Grenzen hinaus.
Auch das Stierkampfverbot in Katalonien und dessen gewaltiges Echo in der französischen
Öffentlichkeit trug sicherlich zum Meinungswandel des Bürgermeisters bei. So wird
wohl nichts aus einer 105jährigen Jubiläumsfeier der Stierquälerei, die sich
die Stierkampfanatiker anders vorgestellt haben. Über hundert Jahre der Gewalt,
Folter und Barbarei sind damit passé.
Mit dem Fall von Fréjus gibt es nun keine Stierkämpfe mehr im Departement Var und damit sinkt die Zahl der
Departements auf 10, in denen es in Frankreich Stierkämpfe gibt. Jetzt geht es
darum, Stück für Stück den südfranzösischen Stierkampfgürtel von der Rhone bis
an den Atlantik aufzurollen, um die Verbindung mit dem Stierkampf freien Katalonien
herzustellen.
Lesen Sie bitte auch den Artikel über die Eigentümerin des Luxushotels NEGRESCO in Nizza, die ebenfalls wesentlich die Meinung des Bürgermeister von Fréjus beeinflusst hat. |