La Traviata-Regisseur nimmt Stierkampf 

auf die Hörner

Wer kennt ihn schon in Deutschland, den Jetset-Journalisten Henry-Jean Servat? Im Magazin Paris Match sind seine Interviews mit den Sternen am Medienhimmel und seine Reportagen große Knüller. Auch als Buchautor ist der Doktor der Literaturwissenschaften kein Leichtgewicht. Seine Bücher über Barbara, Dalida, Alain Delon und Jean Marais sind in Frankreich Bestseller. 

In Saint Tropez ist er bekannt wie ein bunter Hund, denn welcher Star will nicht von ihm interviewt werden. An der Côte d’Azur ist er fast so berühmt wie Brigitte Bardot, die für sein Buch „Légende de Saint-Tropez“ sogar das Vorwort geschrieben hat. Als große Tierfreunde lehnen beide den Stierkampf als Relikt aus barbarischen Zeiten entschieden ab. Damit halten sie nicht hinter dem Berg!

Nachdem Henry-Jean Servat schon so viele Stars in Szene gesetzt hat, wagte er sich nun daran, die Verdi-Oper La Traviata  „open air“ zu inszenieren. Vor der prächtigen Kulisse des Château de Veaux le Vicompte an der Seine ist sie gerade jetzt zu sehen. 26 Aufführungen sind in Frankreich und Belgien vorgesehen.

Wie jeder Opernkenner weiß, hat Verdi in seiner Oper eine Stierkampfszene eingeflochten. Wie hat sich dabei Henry-Jean Servat als Stierkampf-Gegner aus der Affäre gezogen? Mutig nimmt er im Programmheft seiner Oper dazu Stellung und fordert auf, den Stierkampf nicht als Fatalität hinzunehmen und die Stierkampfgegner zu unterstützen. Hier ein Auszug aus der frei übersetzten Erklärung:

„La Traviata ist eine sehr feinsinnige Oper, in der jedoch leider im ersten Bild des zweiten Aktes eine Szene vorkommt, die den Stierkampf und die Stiertöter glorifiziert.... Ich konnte diese Szene nicht einfach weglassen. Ich habe mich also entschlossen, den Matador - dank des großartigen Talents des Tänzers Guillaume Bordier -  wie ein im Stierkampf sterbenden Stier darzustellen. Ich nutzte also diese Situation, um wieder einmal meine uneingeschränkte, unerbittliche und unerschütterliche Gegnerschaft zu diesem scheußlichen Spektakel zum Ausdruck zu bringen. Der Stierkampf hat nichts mit Kultur und Geschichte zu tun, sondern nur mit Grausamkeit.....                                 

In diesen schwierigen Zeiten scheint Tierquälerei angesichts der Konflikte, die Völker entzweien, nicht wichtig  zu sein. Wir leben in einer Welt, in der Gewalt neue Gewalt und Grausamkeit neue Grausamkeit erzeugt. Dieses zerstörerische Aufschaukeln ist nicht unabwendbar, wir müssen reagieren und wir dürfen das Unakzeptable nicht mehr hinnehmen.

Vor 150 Jahren hat Victor Hugo, Zeitgenosse von Guiseppe Verdi, erklärt: „Einen Stier zum Vergnügen zu quälen, ist mehr als ein Tier zu quälen, es ist die Quälerei des Bewusstseins.“ Ebenso wie man sich früher an Gladiatorenkämpfen, Hexenverbrennungen und öffentlichen Hinrichtungen ergötzte, begeistern sich heute immer noch einige Menschen am Todeskampf und am Töten, um damit ihre Ängste auszutreiben und ihren Todestrieb zu befriedigen. Lasst uns mit diesen Grausamkeiten Schluss machen, indem wir die Organisationen unterstützen, die sich dieser philosophisch  und ästhetisch großartigen Aufgabe widmen.

Nieder mit dem Stierkampf, es lebe die Zivilcourage!“

Die Logos der wichtigsten französische Tierschutzorganisationen, die sich gegen das Quälen und Töten in den Arenen wenden, schließen die Erklärung ab. Den französischen Text in Vergrößerung können Sie hier lesen.

Henry-Jean Servat  ist eine der wenigen mutigen Stimmen in den französischen Medien, die diese Barbarei anklagen. Er begann seine Karriere ausgerechnet bei der südfranzösischen Zeitung „Midi Libre“, dem Champion des Gefälligkeitsjournalismus für den Stierkampf. Es war eine fruchtbare Lehrzeit!

Bitte gratulieren Sie Henry-Jean Servat für seine Courage und ermutigen Sie ihn, weiterhin seine Stimme gegen die Tierquälerei in den Arenen zu erheben: henry-jean@servat.net

 

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15.09.2005