Stierkampf-Olympiade in Carcassonne

Patrick Villebrun ist ein nett aussehender Junge mit einem sympathischen Lächeln. Mit seinen16 Jahren ist er ein  vielversprechendes Talent und hat eine große Karriere als Tierquäler vor sich. Schon mit 14 Jahren hat er in der Arena seinen ersten Stier getötet, erst ein Jahr nachdem er begonnen hat, das Handwerk des Toreros in der Stierkampfschule von Nîmes zu erlernen. Ein wichtiger Meilenstein auf seinem Werdegang war die Corrida von Carcassonne , bei der er vom 25. bis 28. August 2005  an einem „Bolsin“ teilnehmen durfte. Das ist eine neue Variante der Stierquälerei importiert aus Spanien, mit der die geschäftstüchtigen Stierkampfveranstalter nun auch in Frankreich ihr perverses Publikum anlocken.  

Der „Bolsin“ ist ein Ausscheidungswettbewerb für „Novilleros“, jungen Toreros, die sich erst ihre Sporen in der Arena verdienen müssen. Patrick Villebrun unterlag zur großen Enttäuschung seiner Schlachtenbummler im Finale dem Spanier Migel Hidalgo, der mit einem Degenstoss seinen Stier erlegte. Der Stier, der Patrick Villebrun ausgeliefert war, machte dem jungen Matador einen Strich durch die Rechnung. Nach dem ersten verunglückten Degenstich sprang er über die Balustrade in den „Callejon“, dem Laufgang, der die Arena umgibt, und war nur mit Mühe wieder einzufangen. Damit war die Hoffnung auf ein Stierohr, der begehrten „Goldmedaille“ der Toreros, begraben und dem gequälten Tier eine Gnadenfrist gewährt.

Immerhin wurde unserem Lokalmatador schon im Halbfinale ein Ohr des von ihm getöteten Stiers, quasi eine Corrida-Silbermedaille, verliehen. Es gelang ihm allerdings erst mit dem zweiten Degenstoss, dem Stier den tödlichen Stich zu verpassen. Der erste Versuch ging daneben und traf den Stier nur in die rechte Schulter. Seinem Halbfinal-Gegner aus Béziers gelang es auch nicht auf Anhieb. Erst mit dem fünften Stoss konnte er seinen Stier erlegen.

Was vor den öffentlichen Auftritten in den Trainingsstunden der Stierkampfschulen passiert, sollten wir uns besser nicht ausmalen. In diesen Schulen werden schon 14jährige zu Stiertötern ausgebildet. Zuerst versuchen sie sich am Strohballen und etwas weiter fortgeschritten an jungen Kälbern. Später dürfen sie in privaten Stierkämpfen unter Ausschluss der Öffentlichkeit beweisen, dass sie das Lehrgeld ihrer stolzen Eltern wert sind. Der Öffentlichkeit kann man diese Schlachterei noch nicht zumuten! Wenn die Torero-Lehrlinge dann das erste Mal in einer öffentliche Arena auftreten, kann es schon mal wie in Carcassonne daneben gehen.

In Frankreich gibt es 5 Stierkampfschulen, die von ihren Städten finanziell unterstützt werden. Den Schülern der Folterschule von Tarascon (Provence) zahlt die staatliche Familienausgleichskasse sogar Ausbildungsbeihilfen. Eine wahre „exception culturelle“, auf die man sich in Frankreich gerne beruft.

Stierkämpfe, die als Wettbewerbe für Torero-Lehrlinge organisiert werden, sind der neueste Hit der Stierkampf-Sadisten und werden im Süden Frankreichs immer mehr veranstaltet. Nachdem sich die Stierkampfmafia bemüht, die Corrida bei der UNESCO als ideelles Kulturerbe einzuschreiben, könnte sie nun auch die Unverfrorenheit besitzen, den „Bolsin“ als olympische Disziplin für Peking vorzuschlagen. Die Chinesen reisen schon jetzt in Scharen nach Frankreich, um den Stierkampf nach China zu importieren.

Der Stadt Carcasssonne sollte für die Bereicherung ihres kulturellen Angebots gratuliert werden. Alle guten Dinge sind drei: Die mittelalterliche Festung, der Canal du Midi, beides Weltkulturerbe, und nun die vorolympischen Stierkampfspiele als Attraktion für Sadisten.

Schreiben Sie bitte  über das Webformular http://www.carcassonne.org/demandes.nsf/msqCourrier an den Bürgermeister von Carcassonne.  Wählen Sie in der Adressleiste Mairie de Carcassonne>Service Municipal>Secrétarial général ). Oder schreiben Sie an das Tourismusbüro: accueil@carcassonne-tourisme.com 

 

 

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